27.06.2019 - Internetseite über jüdische Geschichte

"Gegen das Vergessen"

Über das frühere jüdische Leben in Borken und Gemen können sich Interessierte jetzt auf einer neu gestalteten Internetseite informieren. Unter www. gegendasvergessen-borken. de sind Stammbäume und Schicksale jüdischer Bürger dargestellt, ebenso die „steinernen Zeugen“ wie zum Beispiel die Friedhöfe.
Bereits 2005 hatten einige Borkener Schulen zusammen mit dem Arbeitskreis Jüdisches Leben ihre Nachforschungen im Internet präsentiert. Dank der vielfältigen Kontakte, die der Arbeitskreis im Lauf der Jahrzehnte zu den Zeitzeugen und ihren Nachfahren aufgebaut hatte, wuchs langsam das Wissen um die jüdischen Familien in Borken, Gemen und Weseke immer weiter an.


„Die Seite war veraltet und erwies sich im Nachhinein stellenweise als fehlerhaft“, sagt Mechtild Schöneberg vom Arbeitskreis. Die Fehler seien nun korrigiert worden, ebenso Angaben zu den Wohn- und Lebensverhältnissen der Familien in Borken. Außerdem habe man in den vergangenen Jahren mehreren Publikationen neue Erkenntnisse zu verdanken. So hat Walter Schiffer die hebräischen Grab-Inschriften auf den alten jüdischen Friedhöfen in Borken und Gemen ins Deutsche übersetzt. Hartmut Bringmann erforschte den Lebensweg von Erich Haas. Der Borkener jüdischen Glaubens kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg zurück in seine Heimatstadt. Mehr als sechs Jahre war er zuvor in Holland interniert – immer in der Angst, von den Nazis nach Auschwitz deportiert zu werden. Seine Frau, seine drei Söhne und viele weitere Verwandte wurden in den Vernichtungslagern ermordet. Zurück in Borken, steht der knapp 50-Jährige vor den Ruinen seines Hauses und seiner früheren Firma. Er hat beschlossen zu bleiben, neu anzufangen. Und von den Borkenern Gerechtigkeit zu verlangen.


Die Nutzer der Seite können sich die Stammbäume von 30 jüdischen Familien aufrufen und sich deren Schicksale vor Augen führen. In der Rubrik „Zeitreise“ gibt es zudem autobiografische Ausschnitte sowie Einblicke in die jahrhundertelange Geschichte der jüdischen Gemeinden.Neu ist die Ergänzung, die Schüler des Berufskollegs Borken entwickelt haben. Mittels zweier Apps, die man wahlweise laden kann (biparcours oder Actionbound) können Nutzer bei einem Rundgang zu den früheren Orten jüdischen Lebens Wissensfragen beantworten. „Wir wollen die Seite auch für jüngere Nutzer interessanter machen“, erklärt Laura Buchholz. Mit ihrer Mitschülerin Nadine Holste aus dem Geschichtskursus der Jahrgangsstufe 13 des Wirtschaftsgymnasiums hat sie das Konzept erstellt. Lehrerin Veronika Zumbeel spricht von einem „beeindruckenden Engagement“.


Der Arbeitskreis bestehe formell fort, die Zusammensetzung sei aber im Laufe der Zeit geschrumpft, so Schöneberg. Gleichzeitig sei aber der Druck gewachsen, die Seite neu zu gestalten, um „Informationen fürs Hier und Jetzt“ zu bieten, so Schöneberg. Mit Hilfe des Webdesigners Klaus Unland wurde der Internet-Auftritt umgekrempelt. Finanzielle Unterstützung kam von der Stiftung Aktive Bürger. „Das stand für uns sofort fest zu helfen, zumal wir unser Repertoire als Stiftung in den historisch-kulturellen Bereich auszudehnen“, so Stiftungsvorsitzende Elisabeth Hüls.

(Quelle: Borkener Zeitung)